Warum ist Politik in Deutschland, im Land Nordrhein-Westfalen und auch im Kreis Paderborn vor allem männlich geprägt? Und was braucht es, damit sich das ändert? Diese Frage stand im Mittelpunkt unseres jüngsten Zonta-Forums im Deelenhaus.
Unsere vier Gäste brachten zum Thema des Abends „Frauen in der Politik – Perspektiven, Herausforderungen und Wege nach vorn“ eine Menge Ideen mit, wie die weibliche Stimme in der Politik mehr Gewicht erhalten könnte. In ihrer Begrüßung betonte unsere Präsidentin Annette Olesch, dass der Zonta-Club Paderborn seit 1998 sich nicht nur finanziell an Projekten zur Förderung von Frauen und Mädchen beteiligt, sondern auch deren Rechte auch stärkt, indem er Öffentlichkeit für wichtige Anliegen schafft. Das Zonta-Forum, das von Vize-Präsidentin Judith Tušek professionell und charmant moderiert wurde, ist dabei ein wichtiger Baustein im Portfolio unseres Clubs.
Die ernüchternde Situation schilderte zunächst Hanna Schömann, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fern-Uni Hagen, die zu dem Thema forscht. Sie gab einen Überblick über die Situation nach dem jeweils jüngsten Wahlergebnis: Demnach liegt der Frauenanteil im Deutschen Bundestag bei 32,4 Prozent, im Landtag NRW bei 35,4, und im Kreis Paderborn liegt er nur in Hövelhof und im Kreistag überhaupt über 30 Prozent. Politik solle in einer Demokratie aber möglichst gut die Gesellschaft abbilden, das gelte natürlich nicht nur in Bezug auf den Frauenanteil, sondern für „alle Menschen, die einen anderen Lebensentwurf haben als die vielzitierten ‚alten weißen Männer‘“, betonte sie Wissenschaftlerin.
Ein Anteil daran, dass Frauen unterrepräsentiert sind, hat laut Schömann nicht zuletzt das Wahlrecht in Nordrhein-Westfalen, bei dem in den Wahlkreisen eine Personenwahl erfolgt. „Die Positionen sind häufig von Männern besetzt, die Reserveliste der großen Parteien zieht nur selten, so dass sich eine Quotierung – selbst, wenn es sie gibt – nur wenig niederschlägt,“ erläuterte Schömann, die eine Quotierung grundsätzlich für richtig hält, bis diese sich selbst überflüssig mache. „Das zeigt Frauen, sie sich ihrer Kompetenz häufig weniger bewusst sind, als Männer, dass sie eine reelle Chance haben, auch etwas zu bewirken.“ Denn in den Parteien und Fraktionen gebe es eben häufig Strukturen, die Schömann als „Old-Boys-Networks“ beschrieb. Ihr Rat an die gut 50 Teilnehmerinnen des Forums: „Bildet Banden!“
Das unterstrich auch die zweite Referentin des Abends, die Gütersloher Landrätin Ina Laukötter, eine von nur drei Frauen an der Spitze der nordrhein-westfälischen Landkreise. Die 46-Jährige, die 26 Jahre bei Miele tätig war, zuletzt in der Führungsetage, räumte ein, dass die Entscheidung in die Politik zu wechseln auch ihr nicht nicht leicht gefallen aber richtig gewesen sei: „Ich bin jetzt an einer Stelle, an der ich wirklich viel verändern kann.“ Und das hat sie auch schon. Drei der sechs Dezernatsleitungen im Kreis Gütersloh seien mit Frauen besetzt. „Und auch in den nachgelagerten Führungsebenen sind wir auf einem guten Weg.“
Das sei auch für die Zukunft wichtig, denn Frauen brauchten Vorbilder und Mentorinnen, die sie ermuntern, ihnen auf ihrem Weg zur Seite stehen und sie fördern. Ebenfalls unerlässlich seien gute Bedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zu denen, neben Möglichkeiten der Kinderbetreuung und familienfreundlicher Gremienzeiten, auch gehöre, dass eine aktive Vaterschaft noch viel normaler werde. Sie habe ausschließlich positive Erfahrungen mit gemischten Teams gesammelt und wünsche sich, dass es ein viel unaufgeregteres Miteinander von Frauen und Männern auf allen Ebenen gebe.
In der anschließenden Diskussion brachten auch Sabine Kramm, stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Paderborn, und Vivianne Butov, Vorsitzende der Paderborner Gleichstellungskommission, ihre Perspektive und auch Erfahrungen ein. Butov war ganz kurzfristig für die Paderborner Bundestagsabgeordnete Charlotte Neuhäuser eingesprungen, die aufgrund von Terminen in Berlin leider verhindert war. Beide bestätigten aus ihrer Erfahrung, dass Frauen in mehrfacher Hinsicht ein dickes Fell bräuchten, Die beschriebenen Schwierigkeiten, reichten von unerwünschten Vertraulichkeiten und Berührungen über mehr oder weniger subtil geäußerte Zweifel an ihrer Kompetenz bis zu einer männlich geprägten Debattenkultur, in der es schon einigen Mutes bedürfe, sich Gehör zu verschaffen.
Bereut hat ihr Engagement in der Politik keine der Diskussionsteilnehmerinnen, im Gegenteil: „Wir müssen aufeinander achten und uns unterstützen, dann können wir viel bewirken“. Der manchmal unterschiedliche Blick von Frauen auf die Dinge, ihre Art Politik zu machen und die sich durch sie verändernde Debattenkultur leisteten einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft.




